Wußtet Ihr schon…?

Unser Darm

So many questions about Fibromyalgia, So viele Fragen über Fibromyalgie

Welche Rolle spielt unser Darm?

Ist doch klar oder, er ist für die Verdauung zuständig und komprimiert, was wir nicht brauchen, um es auszuscheiden. Langweilig aber notwendig. Schon gar kein Gesprächsthema.

Im Darm liegt der Ursprung von Gesundheit oder Krankheit.

Chinesische Weisheit

Unser Darm erfährt einen Boom an Interesse

Viele sehen das anders. In der medizinischen Forschung, erfahren der Darm und seine Bewohner – das Darm-Ökosystem – seit ein paar Jahren einen richtigen Boom an Interesse. Klar ist, dieses Organ baut viel mehr als nur Mist. Die vielen Facetten des Darms könnten in die Behandlung vieler Krankheiten hineinwirken.

Giulia Enders beschreibt den Darm in ihrem Buch „Darm mit Charm“ so: „Ein fabelhaftes Wesen voller Sensibilität, Verantwortung, Leistungsbereitschaft“. Ich bin sicher, wenn du´s nicht gewusst hättest, wärst du niemals darauf gekommen, dass wir über den Darm sprechen. Ich kann das Buch herzlich empfehlen, es ist humorvoll und verständlich geschrieben. Schämen sollten wir uns für unseren Darm und was er leistet auf gar keinen Fall.

Dröseln wir Giulias Beschreibung auf

 

Ein fabelhaftes Wesen

Wie geht´s dir heute? Die Antwort auf dieser Frage hängt sehr vom Darm ab. Wenn er bei der Arbeit nicht gestört wird, ist er ein hervorragender Netzwerker. Seine Verbindungswege: Unser Blut und unser Lymphsystem. Auf diesen Wegen gelangen wertvolle Informationen überallhin in unseren Körper. Was bewirken diese Infos? Sie sorgen dafür,

  • dass die Abwehrkräfte gegen Eindringlinge gestärkt werden,
  • dass wir uns mental im Gleichgewicht befinden,
  • dass wir ein gutes Hautbild haben,
  • dass wir uns voller Energie fühlen, um die Herausforderungen des Tages anzunehmen.
Voller Sensibilität

In unserem Darm wohnen mehr nützliche Bakterien (ca. 100 Billionen). In einem Gramm Kot befinden sich mehr Bakterien, als es Menschen auf der Erde gibt. Und das ist gut so! Jedes Bakterium hat seine eigene Aufgabe. All diese Wesen im Einklang zu halten, ist eine Meisterleistung. Wenn alle Bedingungen und Komponenten stimmen, läuft der Laden wie ein Uhrwerk. Genauso empfindlich ist das ganze System auch. Es wird medizinisch „intestinale Mikrobiota“ genannt. Man spricht auch von der Darmflora. Das liegt daran, dass Bakterien früher dem Pflanzenbereich zugeordnet wurden.

Dieser Staat in unserem Darm und die Darmschleimhaut sind täglich herausgefordert. Störenfriede können sein:

  • Chronische Erkrankungen (das ist unser aktuelles Thema)
  • Falsche und einseitige Ernährung, auch unsere fehlende Esskultur –„Grazing“, „to go“, fast-food, das meiste davon: zu schwer, zu spät und zu sauer
  • Umwelteinflüsse – Art der Geburt, Ernährung in der frühen Kindheit, Hygiene, Infekte, geografische Gegebenheiten
  • Stress
  • Medikamente, Abführmittel, Magensäureblocker, Beruhigungsmittel, Cholesterinsenker, Schmerzmittel und Antibiotika
  • Mangel an Bewegung
  • Übertriebene Hygiene

Wenn sich eine oder mehrere dieser Störenfriede breitmachen, merken wir das sehr schnell. Dieser Zustand wird als Dysbiose bezeichnet. Das Gleichgewicht im Darm ist gestört.

  • Durchfall,
  • Blähungen,
  • Reizdarm
  • und Verstopfung

als Probleme des Darms kennen wir schon. Aber die Störenfriede könnten auch

  • Allergien
  • Neurodermitis
  • Diabetes
  • Übergewicht

verursachen.

Unser psychisches Wohlbefinden hat höchstwahrscheinlich auch eine Beziehung zu unserem Darm.

Es lohnt sich, unsere eigenen Störenfriede aufzuspüren und sie aus dem Weg zu räumen.

 

Verantwortung und Leistungsbereitschaft

Innerhalb eines durchschnittlichen Menschenlebens passieren ca. dreißig Tonnen Speisen und 50.000l Flüssigkeit unseren Magen-Darm-Trakt. Zum Vergleich: Ein Elefant wiegt zwischen vier und fünf Tonnen.

Unser Darm hat eine Oberfläche von ca. 400 m². Das sind ca. 1,6 Mal die Fläche eines Tennisplatzes. Wie passt diese Fläche in unseren Körper? Wer schon das Vergnügen hatte, eine Darmspiegelung machen zu lassen, hat mitbekommen, dass der Darm sich ziemlich in Falten legt.

Er ist ein 6-8 Meter langer Muskelschlauch und damit unser längstes Organ. Das ist ungefähr die Länge eines Reisemobils.

In unserem Darm existiert ein Staat mit 100 Billionen Einwohnern – freundliche Bakterien.

70% aller Immunzellen befinden sich im Dünn- und Dickdarm. Unsere Immunabwehr findet zu 80% im Darm statt. Der Darm ist einer der wichtigsten Protagonisten in der Erregerabwehr unseres Körpers.

Über die Hälfte aller Antikörper produzierenden Zellen sind in der Darmwand. Diese Zellen können fremde, unerwünschte Stoffe erkennen. Nicht nur das, sie kennzeichnen sie und zerstören sie. Dann werden die Informationen über diese fremden Stoffe gespeichert, so dass der Körper schnell reagieren kann, wenn sie wiederauftauchen.

Das Glück wohnt im Darm, denn 90% des Glückshormons Seratonin wird im Darm gebildet.

Es befinden sich 100 bis 150 Millionen Nervenzellen im Darmnervensystem – das enterische Nervensystem (enteron = Darm) ENS. Das sind quasi Internetverbindungen – Kommunikationsbahnen in unserem Körper.

Über die Darm-Hirnachse ist dieses Organ mit unserem Gehirn über den Vagusnerv verbunden.

Unser Darm zerlegt nicht nur Nahrung, es stellt Energie bereit, reguliert Wasser- und Salzgehalt und produziert Vitamine und Hormone. Ein Multi-Tasker also, und das, obwohl er männlich ist.

 

Unser Darm ist kein Solokünstler

Ich rede immer vom Darm. Dabei hat er mehrere Komponenten, den Dünndarm, hier sind nicht so viele Bakterien, sonst würden wichtige Nährstoffe verlorengehen. Der Dünndarm besteht aus dem Zwölffingerdarm, dem Leerdarm (Jejunum) und dem Krummdarm (Ileum). Die Bakterien hausen im Dickdarm. Er besteht aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm (das Kolon) und dem Mastdarm (Rektum).

Wenn wir schon dabei sind, was ist mit dem Blinddarm?

Früher dachten die Mediziner, er sei ein Relikt der Evolution, ohne nennenswerte Funktion. Heute wissen sie, dass auch der Blinddarm für die Gesundheit wichtig ist. In seiner Schleimhaut sind viele Lymphozyten, wie auch im Dickdarm. Man nimmt an, dass er eine Art Unterschlupf für wichtige Bakterien ist, wenn wir Durchfall haben. So kann der Darm wieder schnell mit guten Bakterien besiedelt werden, nachdem nicht nur schädliche Bakterien, sondern auch Gute rausgeschleudert wurden. Manchmal muss er dennoch herausoperiert werden. 

In diesem Podcast von Radiosender Bayern 2 wird erklärt, wie Verdauung funktioniert.

Gemüse für den Darm

Viel Gemüse tut unserem Darm gut!

Photo by Dan Gold on Unsplash

Es lebe die Vielfalt in unserem Darm!

Unsere Darmflora ist so individuell wie unser Fingerabdruck. Leider wird sie mit zunehmendem Alter instabiler. Bis heute sind ca. 1000 Bakterienstämme im Darm identifiziert worden. Es ist wichtig für unser gutes Bauchgefühl, eine Vielfalt an Bakterien im Darm zu beherbergen.

Was können wir tun, um das Uhrwerk am Laufen zu halten?

Präbiotische Lebensmittel (Lebensmittel mit langkettigen Kohlenhydraten) essen z.B.:

  • Chicorée,
  • Artischocken,
  • Bananen,
  • Erbsen,
  • wenig Getreide,
  • Lauch,
  • Zwiebeln,
  • Knoblauch,
  • Schwarzwurzeln,
  • Pastinaken u.a.

Aber bitte nicht alle auf einmal neu einführen, denn sie können stark blähend wirken.

Probiotika essen pro = für, bios = Leben

  • Joghurt ohne Zusätze,
  • Kefir (Kuh, Schaf, oder Ziege)
  • Sauerkraut
  • Miso (japanische Gewürzpaste)
  • Saure Gurken
  • Kombucha (fermentierter Tee)
  • Apfelessig
  • Käse
  • Tempeh
  • Kimchi

 Weniger oder gar keinen Zucker essen!

Gut Essen mit Fibromyalgie

 

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In diesem TED-Talk spricht Ruairi Robertson,Wissenschaftler. Forschungsgebiet: Das Mikrobiom, darüber, wie der Darm das Gehirn beeinflusst.

(auf Englisch) 

„Das ist der erste Nachweis einer Veränderung des Darm-Mikrobioms bei nicht-viszeralem Schmerz.“

Dr. Amir Minerbi, McGill University Health Centre in Montreal 

Was hat das Mikrobiom konkret mit Fibromyalgie zu tun?

In Zukunft könnte das Mikrobiom eine wesentliche Rolle bei der Diagnose der Fibromyalgie spielen. Eine in Kanada vom Schmerzspezialisten Dr. Amir Minerbi durchgefühte Studie hat erhoben, dass Fibromyalgie-Patienten, verglichen mit Gesunden, bestimmte Veränderungen in ihrem Mikrobiom zeigen. Das heißt Forscher nehmen an, dass es einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Mikrobioms und Fibromyalgie gibt. Es wird zwar noch eine Weile dauern bis weitere Forschungsergebnisse zeigen, wie man sie im Behandlungskonzept der Fibromyalgie einbinden könnte, aber mit diesen Ergebnissen wird man möglicherweise die Diagnose Fibromyalgie sicherer stellen können. Heutzutage gibt es eine hohe Zahl an Fehldiagnosen. Das heißt manche Patienten mit einer Fibromyalgie-Diagnose leiden tatsächlich an anderen Krankheiten, die besser behandelbar wären.

Was diese Ergebnisse jetzt schon können, ist, die Behauptung zu entkräften, dass es Fibromyalgie gar nicht gibt.

Gute Reise!

Mein Mann arbeitet zurzeit zu Hause. Das heißt, wir essen alle Mahlzeiten zusammen. Wenn’s soweit ist und ich „Essen ist fertig“ rufe, taucht er mit Appetit auf, obwohl er die ganze Zeit keinen Hunger verspürt hat. Die Schöne Reise durch unseren Verdauungstrakt beginnt mit diesem Ruf und dem Anblick des Essens. Machen wir deshalb unseren Teller schön!

Durch dick und dünn muss es dann gehen, das Essen. Wenn‘s gut geht, ist auch am Ende alles gut.

 

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Aktualisiert: 14.08.2020

Quellen:

Brown, K. B., DeCoffe, D. D., Molcan, E. M. & Gibson, D. L. G. (2012, August 4). Diet-induced dysbiosis of the intestinal microbiota and the effects on immunity and disease. PubMed.gov. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23016134/

Enders, G. E. (2014). Darm mit Charme – Alles über ein unterschätztes Organ (30. Auflage Aufl.). Ullstein.

Grillparzer, M. G. (2011). KörperWissen Entdecken Sie Ihre innere Welt (5. Auflage Aufl.). Gräfe und Unzer.

Hill, D. A. H. & Artis, D. A. (2010). Intestinal Bacteria and the Regulation of Immune Cell Homeostasis. NCIB. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5610356/

Manych, M. M. & Vogel, G. V. (2010). Stark unser Immunsystem – Wie es uns schützt, wie wir es unterstützen (!. Auflage Aufl.). TRIAS.

Schlehe, J. S. & Ussar, S. U. (2016). Das Mikrobiom: Einfluss auf Adipositas und Diabetes. aerzteblatt.de. https://www.aerzteblatt.de/archiv/177992/Das-Mikrobiom-Einfluss-auf-Adipositas-und-Diabetes

Stockert, K. S. (2020, März 25). Allergie, Mikrobiom und weitere epigenetische Faktoren. NCBI. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7123400/

Brauser, D. B. (2019, Juli 15). Fibromyalgie: Studie liefert Hinweise auf Bedeutung des Darm-Mikrobioms – Ernährung als therapeutischer Ansatz? medscape.com. https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908056?nlid=130670_3081&src=WNL_mdplsnews_190715_MSCPEDIT_DE&uac=207593DX&faf=1#vp_1