Nicht schwach, sondern Helden

Ich glaube nicht, dass chronisch kranke Menschen schwach sind. Im Gegenteil. Als ich aktiv in der Selbsthilfegruppe war, habe ich einige Kongressen und Fortbildungen besucht. Die Geschichten der Betroffenen, waren allesamt keine Geschichten von schwachen Menschen, eher von Helden, die eine ganze Menge “ausgehalten“ haben.

Unsere Gesellschaft liebt Helden, Erfolgsgeschichten, Kämpfer, aber auch Triumph und glückliche Endungen. Wir lieben die Behandlung, die erfolgreiche Reparatur, die Restoration. Es ist gerade in, heruntergekommene Häuser zu kaufen und glanzvoll zu renovieren.

Wir sind nicht diese Helden. Unsere Titel sind: „Simulant“, „Druckeberger“, „empfindlich“.

Wir tun nicht so, als ob wir krank wären. Wenn überhaupt versuchen wir so zu tun, als wären wir gesund. Wir versuchen, so zu sein, wie Ihr es von uns erwartet. Du siehst mich nicht

Du kannst doch nicht krank sein, wenn du…

Was uns häufig erwartet, ist Verurteilung, und Abkanzelung. Wie hungrige Wölfe, beobachten manche was wir tun, um schnell zu urteilen: „Du kannst doch nicht krank sein, wenn du…

  • dich hübsch anziehst, oder Schminke trägst. (Die Wahrheit ist, jemand der sehr schlecht schläft, Schmerzen hat, erschöpft ist, übel, schwindelig ist u.a. sieht einfach scheiße aus, Manchmal will man nicht scheiße aussehen.)
  • dich schön anziehst, die Haare richtest. (Oft genug tun wir das nicht. Manchmal will man ein bisschen normal sein und nicht aussehen, wie etwas, das man durch die Hecke gezogen hat. Es ist anstrengend genug und braucht mehr Zeit, als die Zweifler denken.
  • rausgehst, dich irgendwo in der Sonne setzt. (Wenn wir nicht manchmal rausgehen würden, würden wir deswegen auch beschimpft werden – „Du tust nichts dafür, dass es besser wird.“ Vitamin D brauchen wir übrigens auch)
  • nicht jammerst. (Das ist ja der Gipfel)
  • …..

Das sind alles Momentaufnahmen. Vieles zeigen wir eben nicht. Dennoch werden wir von unseren Mitmenschen und teilweise von Ärzt*innen und Therapeut*innen so wahrgenommen.

Hat er sich die Brüche selbst zugefügt?

Diese Verurteilungen oder das Gefühl, nicht geglaubt zu werden, sind verletzend. Es kostet enorm viel Kraft, zu versuchen, so am Leben teilzunehmen, dass andere nicht durch einen belästigt und behindert werden. Es gelingt auch nicht ständig.

Menschen, die bekannte Krankheiten haben, die sichtbar sind, werden eher nicht verurteilt. Als mein Mann letztes Jahr 3 Leistenbrüche hatte und seltsam gelaufen ist, weil er Schmerzen hatte, verstand und akzeptierte jeder sofort, dass er Schmerzen hatte. Er wurde operiert und brauchte eine gewisse Konvaleszenz. Niemand kam auf die Idee zu sagen, er hätte sich die Brüche selbst zugefügt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Niemand hat daran gezweifelt, dass er Schmerzen hat. Als er hinterher draußen auf der Terasse saß, sagte niemand, er würde wohl so tun, als hätte er Leistenbrüche gehabt, wenn er so gemütlich auf der Terasse sitzen kann.

Verletzende Worte rauben Kraft

So brauchen wir nicht nur Kraft, um die Krankheit so gut wir es können zu bewältigen, sondern auch um mit diesen schmerzhaften Worten umzugehen.

Wahrscheinlich meinen die meisten Kritiker es nicht mal böse. Sie sehen nichts und verstehen nicht, was sie nicht sehen. Das Schlimme verstecken wir ja. Selbst wenn wir statt auf dem Sofa, uns in Embryostellung vor Schmerzen gekrümmt auf dem Marktplatz legen würden, oder statt in den Klosschlüssel, uns in den öffentlichen Mülleimer übergeben würden, würde man das anders sehen. Und das wollen wir auch nicht. Wir wollen nicht jammern, aber wir wollen auch nicht ständig verletzt werden.

Jemand weiß, dass wir Helden sind

In Deutschland ist Miranda Hart nicht so bekannt, sie ist Schauspielerin und Comedy performerin, hier spricht sie ganz ernst über chronisch kranke Menschen. Gerade weil sie uns sonst so zum Lachen bringt, trifft diese ernste Botschaft mitten ins Herz. Das Video ist auf Englisch.

Helden halten eine Menge aus!

Photo by Arturo Rey on Unsplash

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